TO BE OR NOT TO BE
Inhalts-Angaben
diese dürfen selbstverständlich verwendet werden:
Variante Nr. 1
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"TO BE OR NOT TO
BE" |
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SEIN
ODER NICHTSEIN
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Regie: |
ERNST
LUBITSCH |
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Produktion: |
ERNST
LUBITSCH PRODUKTION DER ROMAINE FILM |
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Darsteller: |
JACK
BENNY |
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CAROLE LOMBARD |
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ROBERT STACK |
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FELIX BRESSART |
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LIONEL ATWILL |
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TOM
"FIXER" DUGANN |
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SIG
RUMAN |
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STANLEY C. RIDGES |
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Musik: |
WERNER
R. HEYMANN |
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Drehbuch: |
EDWIN
JUSTUS MAYER |
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Vorführdauer: |
99
Minuten |
| Herst.-Land: |
USA
/ 1942 |
In
dieser grandios kalkulierten Film-Groteske ist Lubitsch das scheinbar Unmögliche
gelungen, Ernst und Schmerz, Grausamkeit und Komik auf der höheren Ebene des
reinen Spiels zu vereinen.
August
1939. Am Warschauer Theater wird die Aufführung eines Antinazistücks
verboten. Hitler soll nicht provoziert werden. Also steht wieder
"Hamlet" auf dem Spielplan. Doch die Wehrmacht marschiert, Warschau
wird besetzt. Ein angeblich polnischer Patriot entpuppt sich als Gestapoagent.
Und nun beginnt eine höllische Eulenspiegelei. Es geht um Sein oder Nichtsein,
aber auch um Sein und Schein und nebenbei um eine private
Eifersuchts-Dreiecksgeschichte: Die Schauspieler - mithineingerissen in den
Strudel der Ereignisse - spielen in der gefährlichen Wirklichkeit das, was sie
auf der Bühne nicht spielen durften: Gestapo-Funktionäre, deutsche Offiziere
und Geheimagenten. Einer mimt sogar "ihn" selbst, den Schnurrbärtigen
aus Braunau. Sie verhindern, dass Widerstandskämpfer verhaftet werden, und
retten ihre eigene Haut - in Hitlers Flugzeug - nach England.
Jeder Versuch, die äussere Handlung zu beschreiben, kann
nichts verraten von der scheinbar einfachen, im Grunde jedoch unendlich
raffinierten Dramaturgie, mit der dieser Film konstruiert ist. Die Verzahnung
der Szenen, ihre aufregende Doppelbödigkeit, die hintergründig pointierten
Dialoge, die Charakterisierung der einzelnen Figuren, das alles ist faszinierend
klug gemacht. Dieser Film ist so ausserordentlich, weil er nicht nur durch florettirrenden Witz und Spott erheitert, sondern auch erschüttert und ergreift.
Variante Nr. 2
TO
BE OR NOT TO BE
SEIN
ODER NICHTSEIN
1942 scheiterte sie an den Zeitumständen, heute gehört sie zum komödiantischen Klassiker-Repertoire: die geniale Nazi-Satire des deutschen Hollywood-Regisseurs Ernst Lubitsch.
Von der Handlung nur das Gröbste zur Gedächtnisauffrischung:
Ein Warschauer Theater probt im August 1039 ein Anti-Nazi-Stück, das noch vor
der Premiere verboten wird. Nach der Besetzung Polens erwartet man im
Gestapo-Hauptquartier von Warschau einen Spion aus England, der eine Liste mit
Schlüsselfiguren der polnischen Widerstandsbewegung bei sich hat. Die
Theaterleute können den Verräter abfangen und gaukeln ihm mit Dekor und
Personal des verbotenen Stücks ein falsche Gestapo-Hauptquartier vor. Doch der
Spion durchschaut das Theater und stirbt nach einer Jagt durch den Zuschauerraum
einen - echten - Bühnentod. Nun muss sich der Star der Truppe (Jack Benny), der
vorher den Nazi-Chef markiert hat, bei der echten Gestapo als Spion ausgeben.
Nur ahnt er nicht, was währenddessen mit diesem geschieht....
Allein schon für diesen Plot möchte man eine
Pilgerfahrt zu Lubitschs Grab buchen. Jeder gewöhnliche Komödienautor würde
sich schon nach einer Intrige wie den drei erwähnten mit gutem Grund zurücklehnen.
Lubitsch und seine Koautoren liefern sie am Laufmeter. Niemals in der gesamten
Filmgeschichte ist wohl schöner mit doppelten Rollen und gezielter Täuschung,
Verwechslung und Verwirrung, falschen Fährten und Bärten gespielt worden. Na
ja, fast nie, es gibt ja noch Wilder und ein paar weitere Lubitsch-Filme.
Die Welt hat Lubitsch, die komödiantische
Liebesmüh im vorliegenden Fall zunächst nicht gedankt. Der Gestapo-Chef im
Film hat den Spitznamen "Concentration Camp Erhardt" und witzelt, dass
er für die Konzentration, die Polen für das Camping zuständig seien.
Angesichts des polnischen Kriegsschicksals mochten über solche Scherze schon
1942 viele nicht mehr lachen. Als der alliierten Welt das wahre Grauen der
Konzentrationslager allmählich bewusst wurde, erschien in diesem Umfeld jede
Komödie, so schwarz und antinazistisch sie auch sein mochte, für lange Zeit
grundsätzlich pietätlos.
Doch TO
BE OR NOT TO BE war vorher, zur Zeit der amerikanischen Kriegsmobilmachung,
gedreht worden. Aus allen Rohren, mit Trick- und Dokumentarfilmen, Grotesken und
Schurkendramen, schoss damals Hollywood gegen die Nazis. Wie andere Satiren
macht TO BE OR NOT TO BE den Feind zunächst klein und lächerlich. Am Anfang
des Films kritisiert der Theaterdirektor seinen Hitler-Darsteller: Er sehe überhaupt
nicht aus wie der
Führer", sondern bloss wie ein Mann mit einem kleinen Schnauz.
Antwort: "Aber auch Hitler ist doch bloss ein Mann mit einem kleinen
Schnauz." So nimmt man dem Gegner seine Übergrösse. Und selbstverständlich
lassen sich die Nazis mit ihrer hundertfachen Übermacht von der Handvoll
listiger Polen stets neu übertölpeln. So macht man Mut zum Kampf.
Trotzdem ist und bleibt TO BE OR NOT TO BE in
einer Hinsicht ein Stein des Anstosses - auch nachdem das Kriegsgrauen gegen
jede Beschwörung allmählich verblasst ist: Lubitsch weigert sich, die Nazis
als grundlegend anderen Menschenschlag, als sadistische Schurken oder fanatische
Ideologen zu zeichnen. Sie unterscheiden sich im Prinzip überhaupt nicht von
den Helden, haben die gleichen menschlichen Schwächen, sind unheroisch, eitel,
eifersüchtig und mässige Komödianten wie diese. Aus diesem Grund kann das
Spiel mit den falschen Identitäten überhaupt so gut funktionieren. Der
Gestapo-Chef etwa ist ein jovialer, beschränkter Beamter mit einer
durchschnittlichen Hierarchieneurose. Nun gibt es da einen entscheidenden
kleinen Unterschied, einen moralischen Grundsatzentscheid, der dennoch zwei
Kategorien schafft. Die Nazis haben sich auf eine unerbittliches Zwangssystem
eingelassen, das jede spontane menschliche Reaktion verunmöglicht. Ehe er
sich's versieht, lacht der Gestapo-Chef über einen Hitler-Witz. Dann zuckt er
zusammen: Hoffentlich hat's niemand gemerkt. Kein Zweifel, wer da auf der
rechten, wer auf der falschen Seite steht. Wo schon Witze nicht zugelassen sind,
kann etwas mit der Menschlichkeit nicht stimmen. Der grosse Komödiant Lubitsch
hat das mit untrüglichen Gespür
erfasst.
Variante
Nr. 3
1942 scheiterte sie an den Zeitumständen, heute gehört sie zum komödiantischen Klassiker-Repertoire: die geniale Nazi-Satire des deutschen Hollywood-Regisseurs Ernst Lubitsch.
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V |
on der Handlung nur das Gröbste zur Gedächtnisauffrischung:
Ein Warschauer Theater probt im August 1939 ein Anti-Nazi-Stück, das noch vor
der Premiere verboten wird. Nach der Besetzung Polens erwartet man im
Gestapo-Hauptquartier von Warschau einen Spion aus England, der eine Liste mit
Schlüsselfiguren der polnischen Widerstandsbewegung bei sich hat. Die
Theaterleute können den Verräter abfangen und gaukeln ihm mit Dekor und
Personal des verbotenen Stücks ein falsche Gestapo-Hauptquartier vor. Doch der
Spion durchschaut das Theater und stirbt nach einer Jagt durch den Zuschauerraum
einen - echten - Bühnentod. Nun muss sich der Star der Truppe (Jack Benny), der
vorher den Nazi-Chef markiert hat, bei der echten Gestapo als Spion ausgeben.
Nur ahnt er nicht, was währenddessen mit diesem geschieht....
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A |
llein schon für diesen Plot möchte man eine
Pilgerfahrt zu Lubitschs Grab buchen. Jeder gewöhnliche Komödienautor würde
sich schon nach einer Intrige wie den drei erwähnten mit gutem Grund zurücklehnen.
Lubitsch und seine Koautoren liefern sie am Laufmeter. Niemals in der gesamten
Filmgeschichte ist wohl schöner mit doppelten Rollen und gezielter Täuschung,
Verwechslung und Verwirrung, falschen Fährten und Bärten gespielt worden. Na
ja, fast nie, es gibt ja noch Wilder und ein paar weitere Lubitsch-Filme.
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D |
ie Welt hat Lubitsch, die komödiantische Liebesmüh
im vorliegenden Fall zunächst nicht gedankt. Der Gestapo-Chef im Film hat den
Spitznamen "Concentration Camp Erhardt" und witzelt, dass er für die
Konzentration, die Polen für das Camping zuständig seien. Angesichts des
polnischen Kriegsschicksals mochten über solche Scherze schon 1942 viele nicht
mehr lachen. Als der alliierten Welt das wahre Grauen der Konzentrationslager
allmählich bewusst wurde, erschien in diesem Umfeld jede Komödie, so schwarz
und antinazistisch sie auch sein mochte, für lange Zeit grundsätzlich pietätlos.
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D |
och TO BE OR NOT TO BE war vorher, zur Zeit der
amerikanischen Kriegsmobilmachung, gedreht worden. Aus allen Rohren, mit Trick-
und Dokumentarfilmen, Grotesken und Schurkendramen, schoss damals Hollywood
gegen die Nazis. Wie andere Satiren macht TO BE OR NOT TO BE den Feind zunächst
klein und lächerlich. Am Anfang des Films kritisiert der Theaterdirektor seinen
Hitler-Darsteller: Er sehe überhaupt nicht aus wie der "Fjuhrer",
sondern bloss wie ein Mann mit einem kleinen Schnauz. Antwort: "Aber auch
Hitler ist doch bloss ein Mann mit einem kleinen Schnauz." So nimmt man dem
Gegner seine Übergrösse. Und selbstverständlich lassen sich die Nazis mit
ihrer hundertfachen Übermacht von der Handvoll listiger Polen stets neu übertölpeln.
So macht man Mut zum Kampf.
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T |
rotzdem ist und bleibt TO BE OR NOT TO BE in einer
Hinsicht ein Stein des Anstosses - auch nachdem das Kriegsgrauen gegen jede
Beschwörung allmählich verblasst ist: Lubitsch weigert sich, die Nazis als
grundlegend anderen Menschenschlag, als sadistische Schurken oder fanatische
Ideologen zu zeichnen. Sie unterscheiden sich im Prinzip überhaupt nicht von
den Helden, haben die gleichen menschlichen Schwächen, sind unheroisch, eitel,
eifersüchtig und mässige Komödianten wie diese. Aus diesem Grund kann das
Spiel mit den falschen Identitäten überhaupt so gut funktionieren. Der
Gestapo-Chef etwa ist ein jovialer, beschränkter Beamter mit einer
durchschnittlichen Hierarchieneurose. Nun gibt es da einen entscheidenden
kleinen Unterschied, einen moralischen Grundsatzentscheid, der dennoch zwei
Kategorien schafft. Die Nazis haben sich auf eine unerbittliches Zwangssystem
eingelassen, das jede spontane menschliche Reaktion verunmöglicht. Ehe er
sich's versieht, lacht der Gestapo-Chef über einen Hitler-Witz. Dann zuckt er
zusammen: Hoffentlich hat's niemand gemerkt. Kein Zweifel, wer da auf der
rechten, wer auf der falschen Seite steht. Wo schon Witze nicht zugelassen sind,
kann etwas mit der Menschlichkeit nicht stimmen. Der grosse Komödiant Lubitsch
hat das mit untrüglichen Gespür
erfasst.
©
Andreas Furler, Züri-Tip, 11.08.95
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Mit: |
Jack Benny, Carole Lombard, Robert Stack,
Felix Bressart, Lionel Altwill |
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Regie: |
Ernst
Lubitsch |
|
Buch: |
Edwin
Justus Mayer |
|
Kamera: |
Rudolph Maté |
|
Musik: |
Werner
R. Heymann |
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Ausstatt. |
Julia
Heron |
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Regie-Ass. |
W.
Tummel, W. McGarry |
|
Schnitt: |
Dorothy
Spencer |
|
Prod.-Leit.: |
Vincent
Korda |
|
Herst.-Land: |
USA
/ 1942 |
|
Prod.-Firma: |
Ernst
Lubitsch Prod. der Romaine-Film |
|
Verleih
CH: |
SPIEGEL-MEDIA GMBH, 8053 ZÜRICH |